Vor 110 Jahren…

…am 18. Juni 1897, wurde im ehemaligen Deutschritterschloss Beuggen bei Rheinfelden Konrad Zeller geboren. Er stammte aus einer Dynastie von Schuldirektoren. Sein Urgrossvater Christian Heinrich Zeller hatte in Beuggen eine Armenschule und ein Armenschullehrer-Seminar nach dem Vorbild Pestalozzis gegründet. Zellers Grossvater und Vater hatten beides weitergeführt. In Basel und Bethel bei Bielefeld studierte er Theologie, arbeitete für kurze Zeit als Handlanger bei der Maschinenfabrik Escher-Wyss und als Vikar von Rudolf Grob, Direktor der Epi. 1922, mit 25 Jahren, wurde er zum Direktor von Unterstrass gewählt und blieb das bis 1962.

Zeller war überzeugt, Unterstrass müsse besser sein als andere Schulen, sonst habe es keine Daseinsberechtigung. Das gab ihm Mut zu Neuerungen. Er führte Studien- und Projektwochen ein, die es damals an keiner andern Schule gab. Er übernahm – mit bewusstem Blick auf die Jesuitenschulen – die Idee des Schultheaters und lud dazu (Unterstrass war bis 1937 eine reine Männerschule) Mädchenklassen ein. Er erfand den Tagesanfang, die tägliche Zusammenkunft der ganzen Schule. Auch machte er Pädagogik und Psychologie zu Unterrichtsfächern der unteren Klassen.

Als Theologe erteilte Zeller den gesamten Religionsunterricht. Seine christliche Haltung stand in merkwürdigem Gegensatz zu seinen fortschrittlichen pädagogischen Ideen. Wäre er 110 Jahre alt geworden und dem jetzt amtierenden Papst Benedikt XVI. begegnet, so hätte er ihm zwar erklärt, dass er nichts vom Papsttum halte. Mit seiner ganzen übrigen Theologie sei er aber weitgehend einverstanden.

Manche Schüler fanden das bedrückend, so wie die Haltung des Papstes manche heutigen Katholiken bedrückt. Man kann das bei Heinz Lüthi in „Der Mutsprung“ nachlesen oder in Jakob Schaffners Roman „Johannes“ (in dem es allerdings nicht um Konrad Zeller, sondern um dessen Vorfahren geht.) Andere fanden seinen Unterricht lehrreich. Man erwarb gründliche Bibelkenntnisse, die einem beim Theologie- oder Literaturstudium zugute kamen: Die Hintergründe von Bachs Passionen wurden so klar wie die von Rilkes Gedichten oder Dürrenmatts Dramen. Andere Meinungen liess er gelten, hielt aber an der eigenen unerschütterlich (und gelegentlich starrsinnig) fest.

Seine Ideen hat er in zwei Büchern dargestellt: in „Kleine Methodik christlicher Unterweisung“, die er 1936 zusammen mit Hans Jakob Rinderknecht herausgab, und in seiner „Bildungslehre“, die 1948 im Zwingli-Verlag in Zürich erschien. Beide Bände sind bis heute antiquarisch erhältlich. Wenig gewürdigt sind seine künstlerischen Leistungen. Von ihm stammt das Konzept der Bibeltür am Grossmünster in Zürich. Auch war er ein hervorragender Fotograf. Seine besten Aufnahmen zu sammeln wäre lohnend. Er starb am 20. Februar 1978. Unterstrass hat ihm viel zu verdanken.