Süd-Nord-Tage: «pädagogisch wertvoll»

bild-4.pngIrgendwo im Unterstrass steht wohl ein mächtiger Aktenschrank mit der Aufschrift „Schule“. In einem Fach, das mit „pädagogisch Wertvolles“ beschriftet ist, werden alle Erfahrungen gesammelt, die sich im Laufe der Zeit angehäuft haben. Neben „Wer Freizeit hat, hat nicht genügend Aufgaben“ findet man auch „Versucht man, die letzten zwei Schultage vor den Ferien mit regulärem Unterricht zu füllen, wird man kläglich am erbitterten Widerstand der Schüler scheitern“. Dieses Schublade haben die Lehrer des Unterstrass hervorgezogen und deshalb Donnerstag und Freitag das Zepter des Lehrertums in die Hände der 3. Klässler gelegt. Einem aufmerksamen Beobachter fallen beim Betreten der Eingangshalle grosse Plakate mit asiatisch anmutenden Zeichen auf und ein Zuhörer erkennt fernöstliche Musik, die aus Lautsprechern dudelt. Im späteren Verlauf wird sogar ein kulinarisch Veranlagter auf seine Kosten kommen.
Ähnlich wie beim Ticketcorner wurden Karten für die einzelnen Ateliers verteilt. Schon wenige Minuten nach Beginn der Projekte wird klar: Man hat sich beeindruckend gut vorbereitet. Fehlenden Abwechslungsreichtum kann man den Organisatoren nicht vorwerfen: Von verschiedenen Religionen im Reich der Mitte, Bevölkerungspolitik in den Städten, der Stellung der Frau früher und heute, über Menschenrechtsverletzung und Tai Chi bis hin zu den Olympischen Spielen, alles war vertreten und man sah das Interesse in der Gesichtern der Schüler, wobei die Aufmerksamkeit am Nachmittag deutlich nachliess. Was sich nach einer Flutwelle von Zahlen und Wissen anhört, ist in Wahrheit eine Fülle von kulturellen, geschichtlichen, künstlerischen und medizinischen Informationen über ein fernes doch zugleich auch nahes Land, wie „Made in China“ eindrücklich zeigte. Grade die männlichen Projektleiter zeigten ein feines Händchen bei der Inszenierung ihres Ateliers, nämlich ein volleingerichtetes Fernsehstudio(mit Klatschanzeige). Zu bemängeln war höchstens, dass primär die negativen Aspekte Chinas gezeigt wurden.
Diese rundum gelungenen Nord-Süd-Tage stellten einen willkommenen Kontrast zum Schulalltag dar und so können die Lehrer auch nächstes Jahr wieder beruhigt das Zepter der Erziehung in den Schoss der Schüler legen.
Delaila Piasko und Alex Rockstroh, Promotion 139
Bild: Atelier Olympische Spiele

Ein Gedanke zu “Süd-Nord-Tage: «pädagogisch wertvoll»

  1. Als Erstklässler fand ich die Süd-Nordtage auch so geil; ganz allein darum, da man frei hatte. Doch jetzt, wo ich das Ganze miterleben musste, weiss ich wie anstrengend, mörderisch und stressig dieser Anlass für den einen Viertel der Schülerschaft wirklich ist. So wünschte ich mir in dieser Woche sehnlichst und einzig und allein den Beginn der Ferien so fest, wie nie zuvor. Umso mehr konnte ich dann diese auch geniessen. Es heisst ja schliesslich nicht zu Unrecht: Wer ganz nach oben will, muss weit unten durch…

    Chrigi Bloggi

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