Denn eine Kanne Bier – das ist ein Königstrank! [1]
Cervisia, Ale, Korma oder schlicht Bier. Das bei uns oft als „altgermanischer Göttertrank“ bezeichnete Getränk existiert nun seit bereits mehr als 6000 Jahren und prägte auch bedeutend unsere Geschichte. Erste Funde lassen sich im altmesopotamischen Raum nachweisen.
Die Summer (im heutigen Irak) entdeckten wahrscheinlich nach einem Zufall die berauschende Wirkung des Getränkes. Die Babylonier hatten bereits ein Kontingent von 20 verschiedenen Sorten und verarbeiteten die Hälfte ihrer Getreideernte zur Herstellung von Bier.
Die Geschichte des Biers nahm nach dem Untergang der frühen Hochkulturen keinen Abriss und lässt sich auch bis ins Mittelalter hinein noch gut verfolgen. Weiterhin blieb Bier das Volksgetränk schlechthin, da durch den Brauvorgang die Qualität deutlich besser war als das meist verschmutzte Wasser. Das einzige Volk, das bis zu jener Zeit Bierkonsum verpönte, waren die Römer, die bekannt waren für ihre Weinkultur. Bier war das Getränk der Barbaren.
Dass Bier lange Zeit ein Frauen und Kindergetränk war soll hier auch noch kurz angemerkt sein.
Sechs Bier sind eine Mahlzeit, bestell sieben – du willst ja auch was trinken. [2]
Auch wenn ich hier noch viel zum geschichtlichen Abriss hinzufügen könnte, belasse ich es mal bei diesen gekürzten, einleitenden Worten. Wer mehr dazu wissen will, kann sich auf etlichen Internetseiten erkundigen oder in einem Jahr meine Maturarbeit durchlesen (sofern das Thema bestehen bleibt).
Interessiert an diesem Getränk, habe ich zu Hause begonnen, selbst zu brauen. In diesem Beitrag will ich euch in gekürzter Form darüber berichten. Wer danach Interesse bekommen hat, das Rezept auszuprobieren, kann sich bei mir noch über Details erkundigen.
Die Zutaten für 20 Liter Weizenbier
- 5 kg geschrotetes Malz (die Herstellung dieser Getreidemischung lasse ich bewusst weg)
- Hopfen und Hefe
- grosser Kochtopf, Filter- und Gärbehälter, sowie Messinstrumente
- einen Helfer, der wenn möglich nicht bezahlt werden will
- mindestens ein gutes Metalalbum (kann variieren)
Es ist zudem von Vorteil, wenn man einen Garten oder Vorplatz sein Eigen nennen kann, da der beim Kochen entstehende Geruch nicht jedem gefällt.
Der Brauvorgang I
Als erstes kommt das so genannte Maischen. Dabei wird (nach unserem Rezept) 12 Liter Wasser auf 70°C vorgewärmt und dann die Malzmischung hinzugegeben. Da dieser Brei leicht anbrennt ist bei diesem Schritt das stetige Umrühren essentiell!
Ferner ist darauf zu achten, dass der pH Wert des Wassers ideale Werte vorweist, sowie die Temperatur nie über 80°C steigt, um den im Sud enthaltenen Enzymen eine ideale Umgebung zu bieten. Diese wandeln den grössten Teil des Eiweisses während den 60 Minuten, welche man benötigt, in Aminosäuren um.
Um sicher zu sein, dass der Brauvorgang bis hierhin gelungen ist, macht man nun eine Jodprobe. Jod dient im Allgemeinen als Indikator für Stärke: Färbt sich Jod lila/blau, so ist Stärke vorhanden. Verfärbt es sich nicht, so ist keine Stärke vorhanden. Wir wollen natürlich das Letzte.
Der Brauvorgang II
Ist die Jodprobe erfolgreich, so können wir die Maische in einen Läuterbottich geben, um es zu filtern. Dazu schütten wir heisses Wasser darüber, um die Maltose (Malzzucker) zu lösen. Heraus fliesst die Würze, welche man für den nächsten Kochvorgang benötigt. Sie schmeckt sehr süsslich.
Zusammen mit Hopfen (“Hopfen und Malz – Gott erhalt’s!” [3] ) kochen wir bei 100°C alles
75 Minuten lang. Dabei wird alles sterilisiert und die Enzyme zerstört. Hier kann zwar nichts anbrennen, aber das Ganze überkocht sehr gern. Also sollte mindestens jemand jeweils aufpassen.
Nun muss die Würze so schnell wie möglich auf Zimmertemperatur gebracht werden. Das geschieht durch einen Würzekühler, durch welchen kaltes Wasser geleitet wird.
Ist dies geschehen, so kann man die entstandene Brühe zusammen mit der zur Biersorte passenden Hefe für fünf Tage in einen Gärbehälter geben.
Gärung und Lagerung
Sind diese fünf Tage abgelaufen, welche man als Hauptgärung bezeichnet, so kann man das Jungbier in Flaschen abfüllen. Ich habe bei diesem Schritt zusätzlich noch Malzzucker hinzugefügt, da dieser zur Hälfte in Kohlensäure und zur anderen Hälfte in Ethanol umgewandelt wird. Beides natürlich wichtiger Bestandteil eines guten Bieres!
Bierdeckel und Etikette drauf und einen weiteren Tag bei Zimmertemperatur lagern, danach die Flaschen noch zwei bis drei Wochen bei Kellertemperatur lagern. Mein Bier sollte also in der Mitte der Frühlingsferien fertig sein.
An dieser Stelle möchte ich noch einige Dankaussagungen sprechen.
Der grösste Dank geht an meine Mutter, welche mich finanziell unterstützt hat und auch genug tolerant war, dass ich so eine Sauerei (im Bezug auf den dabei entstehenden Schmutz) machen durfte. Auch danken möchte ich natürlich den Helfern. Zu nennen wäre Jan, welcher beim Brauvorgang half, Thierry, welcher die Flaschenetiketten entwirft, sowie meinen Freunden, welche sich so grosszügig zeigten und mir innerhalb von einem Monat selbstlos halfen Dutzende leere Flaschen zu „erzeugen“. Auch danken möchte ich noch Joker, der mir bei Fragen über den Brauvorgang mehrmals weiterhalf.
Na dann Prost und viel Spass
[1] William Shakespeare
[2] Sprichwort
[3] Trinkspruch