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«Mich hat vor allem erstaunt, wie locker die Atmosphäre ist und wie konzentriert die Schüler hier trotzdem arbeiten.» David (16) besucht die 10.Klasse des Hamburger Emilie Wüstenfeld-Gymnasiums. Zusammen mit zwei Mitschülerinnen und drei Lehrpersonen hat er zwei anstrengende Tage in Unterstrass verbracht: Im Zweierteam mit einer Hamburger Lehrerin hat er Unterricht beobachtet und protokolliert sowie Interviews geführt. Aber auch die aufmerksame Begehung des das ganzen Schulareals gehörte zu den Erhebungsmethoden – immer auf der Suche nach Hinweisen bezüglich Förderung oder Verhinderung der Selbständigkeit der Schülerinnen am Gymnasium Unterstrass.
Gekannt hatte David von uns lediglich das «Partnerteam», das auch aus drei Schülerinnen und drei Lehrpersonen besteht. Im Januar in Hamburg waren sie alle gemeinsam von Fachleuten auf ihre Aufgabe vorbereitet worden: Wie kann man als «Peers» im Schulalltag einer andern Schule systematisch «Daten» sammeln und so eine fundierte Rückmeldung zu einem bestimmten Thema geben?
Für die erste Runde hatten sich Lehrer- und Schülerschaft in Unterstrass auf das Thema «Förderung der Selbständigkeit» geeinigt, vorgängig Unterlagen und Konzepte in Papierform nach Hamburg geschickt und dann die sechs Gäste Ende Mai zu den «Peer Review»-Tagen empfangen.
«Wir haben gute Rahmenbedingungen für die Förderung von Selbständigkeit in Projekten und grösseren Unterrichtseinheiten gesehen», zog Chemielehrerin Birgit Kurz aus Hamburg am Schluss ein vorläufiges Fazit, «jedoch relativ wenig Förderung in kleinen Sequenzen der einzelnen Lektionen». Diese und andere Thesen werden in den nächsten Wochen in einem ausführlichen schriftlichen Bericht untermauert und uns dann inklusive Verbesserungsvorschlägen zur Diskussion zugestellt. Internationale Partnerschaft soll so gerade den unverstellten Blick von aussen zur Steigerung der eigenen Schulqualität nutzen – und dabei freundschaftliche Beziehungen ermöglichen und den Austausch von Impulsen anregen.
Wie sagte eine deutsche Lehrperson am Ende vor den Schülern und dem Kollegium in Unterstrass: «Danke, dass wir kommen durften, wir haben ganz nebenbei viel äusserst Anregendes gesehen, das wir nach Hause nehmen und bei uns einbringen wollen». Und: «Wir freuen uns auf den Gegenbesuch des Peer-Review-Teams von euch in Hamburg. Unser Beobachtungs¬auftrag folgt demnächst.» David freut sich auch. Nicht nur, weil er dann die neu gewonnenen Bekanntschaften auffrischen kann. «Peer zu sein ist ganz schön anstrengend. Im November sind dann die Zürcher bei uns dran, und wir können einfach die Gastgeber sein.»
Und ich danke nicht nur den sechs freundlichen Menschen aus Hamburg, sondern bei uns auch Daniela Keller, Helena Neuenschwander, Aila Oberholzer, M. Karrer, A. Gohl und Chr. Derrer fürs Organisieren und für die gastfreundliche Aufnahme und Begleitung unserer «Peers» aus dem Norden.
Jürg Schoch
Ich verstehe einfach nicht, wieso sich das Gymnasium mit einer deutschen Schule vergleichen will. Alle wissen, oder zumindest geht das Gerücht um, dass deutsche Schulen qualitativ viel weniger zu bieten haben und deutsche Schüler nach abgeschlossener Matura viel weniger qualifiziert sind als Schweizer MaturandInnen. Gibt es keine ähnlich konzipierte Schulen in der Schweiz mit denen man sich vergleichen kann? Oder will unterstrass.edu einfach am Schluss immer besser dastehen?
Lieber Thierry
Der Witz bei einer Peer Review ist gerade, dass es keine Vergleiche gibt. Nur Rückmeldungen in Form von Beobachtungen. Die Beobachterinnen aus Hamburg beobachten und erfragen ein Thema, zu dem wir mehr wissen wollen, aber auf Grund des blinden Flecks es selbst nicht sehen (in unserem Fall die Förderung der Selbständigkeit). Wenn unser Team dann nach Hamburg geht, werden es andere Punkte – nämlich die von ihnen erwünschten – sein.
Also nix Vergleich. Aber Aussensicht. Ohne Wertungen. Die machen dann die beobachteten Schulen selbst. Sie überlegen auch, ob die Rückmeldungen Anlass geben, etwas zu verändern, oder eben nicht.
Und warum Hamburg? Ganz einfach, weil das Emilie Wüstenfeld-Gymnasium uns auf Grund der bisherigen Kontakte angefragt hat, ob wir Lust auf so einen Versuch hätten. Und weil die das dort können, habenwir zugesagt – in der Schweiz hat bisher auf Gymi-Stufe noch niemand Erfahrung damit.
Alles klar ?
Ach ja, um die Verwirrung noch etwas zu vergrössern: Bei der grossen Umfrage unter innovativen Schulen, an der wir alle drei Jahre mitmachen – da werden wir tatsächlich international und v.a. mit deutschen Gymnasien verglichen. Schlicht darum, weil keine Schweizer Gymnasien mitmachen.
Sonntagsgrüsse
Jürg Schoch