Dario Bianchi, unser engagierter Hauptleiter mit sympathischem Bierbauch, runden Augen und vollen Lippen, hatte es ja von Anfang nicht ganz einfach. Schon von Natur eher unruhig und unfähig, stillzusitzen, brachte ihn die ganze Reisesituation am Sonntagmorgen fast ganz aus der Bahn. Besonders, als sich ein tragischer Todesfall auf der Strecke Zürich-Bern ereignete und es ganz grundlegend in Frage stand, ob die ganze Reisegruppe das auf 2000 Metern befindliche Ziel überhaupt noch erreichen wird. Denn dieses ist nur mit der Gondelbahn und der Betriebszeiten wegen nur bis 16.30 erreichbar – ein Wettlaufen mit der Zeit begann. Schön: beim Rumtelefonieren, Arrangieren und Organisieren für ein weiches, warmes Bett fragte David mit einem Blick in die eindämmernde Landschaft ganz ernst: „Gehen wir heute noch boarden?“
Der nächste Tag sah – wie der Anreisetag – kalt, trist und vor allen Dingen weiss aus. Frau Holle schien mal wieder Krach mit dem lieben Petrus zu haben und schüttelte all ihre Wut auf uns armen Gymischüler herab. Petrus gab seinen beachtlichen Anteil in Form von Nebel dazu und komplettierte mit dem Nebenbuhler Wind die meteorologische Situation. Es schneite, um es schon vorweg zu nehmen, die ganze Woche. Schnee vor, hinter, links, rechts und natürlich über uns. Das war sogar den lieben Berner zu viel Schnee. Gar so viel Schnee, dass diese den Dienstag kurzerhand zum Ruhetag erklärten, die Bahnen einstellten und daumendrehend den Flocken zusahen. Nun, was tun ruhelose Zürcher in so einer Situation?
Das Leiterteam war natürlich auf eine derart brenzlige Situation minutiös vorbereitet und bot Abhilfe in Form von aktiven Beschäftigungskursen. Hier einige Titel: „Wie lebt es sich in einer Lawine?“, „kühle Architektur – Konstruktion eines Iglus“, „Hinfallen – Fahren – Hinfallen; das Leben als Beginner“ und „Ich mag UNO“.
Als allgemeine Auflockerung des vergangenen Tages kümmerte sich Philippe Zimmermann um das geistig-seelige Wohl aller Lagerteilnehmer in Form von Quiz, Casino-Abend und Film. Weiterer Hintergrund dieser Abende: In verschiedenen Wettbewerben als Team möglichst viele Punkte erreichen, um am Ende der Woche Preise in Form von Süssigkeiten zu erhalten.
Wenn wir schon vom Essen reden: Kulinarisch wurden wir sehr reichhaltig und ganz nach Schweizer Tradition bedient. Sowohl was die Menge an sich als auch den Fett- und Knoblauchgehalt anbelangte. Das setzte vielleicht bei den einen oder anderen etwas an, sorgte allerdings auch für ein vollumfängliches Sättigungsgefühl.
Schlaftechnisch konnte das Lagerhaus uns normalgrossen Menschen vollumfänglich überzeugen – bei Grössenordnung in Richtung Philippe wurde es allmählich knapp. Aber man muss ja schliesslich auch nicht so unerhört gross werden…
Eine Glanzleistung erbrachte in dieser Woche die etwas verträumte aber total sympathische Alina Hassam. Obwohl eigentlich so gut wie nie auf den Skiern gestanden, versuchte Sie kurzerhand ihr Glück auf den beiden rutschigen Brettern – und riss sich prompt die Kreuzbänder. Aber so etwas konnte unserer Alina nicht die Stimmung verderben, im Gegenteil. Alina, von Grund aus gnadenlose Optimistin, freute sich mit dem auf Handballgrösse geschwollenen Knie gar auf die abenteuerliche Schlittenfahrt hinab ins Tal. Im Gespräch mit ihrem auf Knie spezialisierten Daddy fragte Sie ihn nach der Begrüssung als erstes, ob er Kreuzbänder „flicken“ könne. Wer das denn habe? „Ja, ach, so, ich…“
Nach einer solchen Lagerwoche freut sich natürlich der durchschnittlich sozial agierende Mensch auf das eigene Zimmer, das eigene Bett, auf eine Dusche ohne Münzeinwurf und: auf das wohlverdiente Bier in der Lieblingsbar. Denn: im Lager herrschte absolute Cool-and-Clean-Stimmung. Auch wenn diese Aktion sprachlich so etwas von danebenschiesst (und nur von der J+S erfunden werden konnte), so ist dieser Kodex doch sehr wichtig für ein gelingendes Lager. Und das war es allemal. An dieser Stelle vielen Dank an alle Teilnehmende für euer Engagement gegen das Flash-Bedürfnis, gegen den Aklohol und für den guten, alten Sport.
Im Namen des Leiterteams,
Thierry Seiler
Zum Bild: wer hier springt, ist unser furchtloser Gregoire. Ähnlich krank ist dieses Bild hier und hier sehen Sie unsere Lagereigene Dentalhygienikerin.